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Geschichten von Pater Wichmann
Pater Wichmann -
trockenen Fußes über den Ruppiner See
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Nun hatten die Ruppiner ihr Kloster mit seinem Prior schon über 10 Jahre. Und eigentlich konnte sich keiner mehr vorstellen, wie es ohne Pater Wichmann gehen sollte.
Ein sonderbares Volk, diese Ruppiner. Doch Pater Wichmann hatte im Handumdrehen alle Herzen erobert. Der Prior interessierte sich für alle Dinge. Seine Wißbegierde ging anfangs der ganzen Stadt auf die Nerven, aber als sich bald herausstellte, dass der Pater mit seinem Wissen manchen Kranken helfen konnte, schickten die Leute ihre Kräuter-Mariechen zu ihm und bald hatte das Kloster eine ganze Apotheke, die mit aller Sorgfalt verwaltet wurde.
Mehrmals in der Woche mußte Bruder Martin den Pater Wichmann zu dem kranken Wittkopp in Wuthenow über den See rudern. Bei diesen Fahrten war er stets in Gedanken versunken, stieg ohne ein Wort in das Boot und blieb dort stehen. So war das auch in jener Nacht. Über dem Wasser lagen dichte Nebelbänke. Doch diesmal konnte er dem alten Wittkopp nicht mehr helfen und schon bald waren die Totenglöcklein zu hören. Pater Wichmann stand wieder achtern im Boot und ließ sich tief in Gedanken versunken zurückrudern.
Zu dieser frühen Stunde war auch der Fischer Heiko Bartels mit seinem Knecht Hermann unterwegs. Sie wollten am Ostufer die Aalschnüre kontrollieren. Plötzlich ließ Hermann die Ruder fahren, stand in dem schmalen Fischerkahn auf und zeigte auf den See in Richtung Klosterkirche. Er sperrte den Mund weit auf, brachte aber kein Wort heraus. "Hermann, wat haste denn?", rief ärgerlich sein Meister. "Da, sieh, Pater Wichmann!!" Mehr war nicht zu hören. Und nun sah es der Fischer auch. Aus den Nebelschwaden ragte die schwarze Gestalt des Paters heraus und bewegte sich in Richtung Seeufer. Kein Boot war zu sehen, nicht zu hören. Ohne Boot, ohne jedes Boot - sage ich. "Mensch, Hermann, wenn wir det erzählen, det glaubt uns kein Mensch in Ruppin." Sie unterbrachen ihre Arbeit und eilten zum Liegeplatz zurück, Hermann ruderte zum Kloster hinüber - da lag kein Kahn mit dem Pater Wichmann über den See gekommen sein konnte. Nichts war da. So ist der fromme Gottesmann tatsächlich zu Fuß über den See gelaufen. Dass Bruder Martin auf eigene Faust noch einmal losgerudert war, konnte Hermann nicht sehen und schon gar nicht wissen.
Punkt zwölf Uhr mittags wußte es die ganze Stadt, Pater Wichmann ist trockenen Fußes über den See gelaufen. Die Bewunderung für den Pater stieg ins Grenzenlose.
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Festliches Essen -
trotz leerer Vorratskammer
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Pater Wichmann fand endlich Zeit, alle Briefe, die sich auf seinem Schreibtisch angesammelt hatten, durchzulesen. Höchst erschreckt fuhr er von seinem Sitz in die Höhe, denn für den heutigen Abend hatten sich hochadlige Besucher angemeldet, u. a. sein Bruder, Graf Gebhardt, die Bredower und Quitzower.
Eilig lief er zum Koch. Dieser fing gleich an zu stottern, was, heute Abend? Nichts vorbereitet, nichts im Hause. Kein Fisch, kein Schwein und nicht mal ´nen Hasen. Was soll ich machen? Diese Menge Leute!
Um das Abendessen zu retten, eilte der Koch zum Bruder Martin an den Klostersteg. "Ihr müßt mir helfen, Bruder Martin". Dieser schaute mitleidig den Koch an, lange und eindringlich, schließlich sagte er: "Gut, Ihr bekommt, was Ihr braucht. So, nun geht nach oben und kein Sterbenswörtchen in der Küche, zu niemandem!"
Bruder Martin fuhr sofort mit seinem Kahn auf die andere Uferseite zu einem Versteck im dichtesten Rohr. Dort war eine große Kiste stabil verankert. Diese machte er auf und holte 15 Stück schöne Zander und ebensoviele Hechte heraus. Alles ordentlich verpackt und zurück zum Klostersteg. Auf dem Weg zur Küche begegnete ihm niemand. "Die Säcke will ich wieder haben!" Mehr sagte er nicht zu dem staunenden Herrscher über klösterliche Feinschmeckerkünste. Alle Hilfskräfte bekamen vom Koch gleich Befehle, alles herzurichten. Schnell war er auf dem Weg zu seinem Prior. "Pater Wichmann, hab` genug für alle!", rief er lachend.
Am Abend kamen sie alle. Besonders den Quitzows und Bredows mundete der lecker zubereitete Fisch. "Pater Wichmann, Ihr versteht Eure Gäste zufrieden zu stellen. Ihr seid ja jetzt ein ganz berühmter Mann geworden, der so große Wunder vollbringt." So ging der Abend hin und es wurde ein gelungenes Fest.
Von den Gehilfen wurde ein neues Wunder in Umlauf gebracht. Da Pater Wichmann zum Abend hohe Herrschaften zum Essen erwartete, die Vorratskammer aber leer war, lief er zum See und hatte all die schönen Zander und Hechte herangerufen, die ihm dann in die Säcke sprangen. Unser Pater hat sie in seiner Not angerufen und, wirklich wahr, sie sind seinem Ruf gefolgt. Ein Wunder!
Es waren nur zwei, der Koch und Bruder Martin, die wussten, was es mit diesem Wunder ihres Priors auf sich hatte, doch beide schwiegen hartnäckig und geschickt.
Pater Wichmann half seinen Ruppinern, wo er nur konnte und der Glaube an seine Wunder tat sein Übriges. So kam es, dass er im Gedächtnis der Menschen als ein Heiliger verehrt wurde.
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Die Wichmannlinde
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Die letzte Bitte des Paters war, man möge ihn dicht am geliebten See begraben, damit er immer auf dieses schöne Stückchen Heimat schauen könne. Auch solle man eine Linde über sein Grab pflanzen. So taten es die Ruppiner.
Und wieder wob die Sage ihre stillen Fäden um dieses Grab und noch heute erfährt der staunende Fremde, der diese über 700 Jahre alte Linde am See erblickt, dass die Bewohner dieser Stadt erst dann den Schatz unter ihrer Wichmannlinde heben dürfen, wenn diese dereinst keine Blätter mehr treibe.
Schauen Sie sich diesen uralten Baum an. Sie könnten allein, gar zu zweit durch den Stamm des Baumes gehen. Er blüht in jedem Jahr von neuem und der goldene, der silberne und der kupferne Sarg des sagenumwobenen Paters wird noch lange Jahre unter ihm ruhen. |
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Legende über Ratte und Maus
(Bewege den Mauszeiger unterhalb dieses Textes, dann erscheinen Maus & Ratte)
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Aus der Zeit um 1524 stammt diese Legende. Die Mönche hatten das Kloster verlassen, nur zwei blieben. Einmal stritt sich ein Mönch mit dem anderen, der evangelisch geworden war, und sagte: "Keine Maus kann eine Ratte vertreiben, und so werdet ihr Evangelischen uns auch nicht vertreiben." In diesem Augenblick soll eine Ratte von einer Maus gejagt über das Gewölbe gelaufen sein. Wenn Ihr Euch in der Kirche hinten hinstellt, seht Ihr an einer Gewölberippe die Ratte und die Maus.
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