Aus dem Leben des Wichmann von Arnstein

Die in ein weißes Gewand mit schwarzem Mantel und Kapuze gekleidete Gestalt des würdevollen und sehr freundlichen Wichmann von Arnstein dürfte im Neuruppin des 13. Jahrhunderts jeder gekannt und sein Tun vielen Halt und Trost in den Bedrängnissen des Alltags gegeben haben.

Wichmann von Arnstein wurde um 1180 als jüngster von vier Söhnen des thüringischen Grafen von Arnstein geboren. Er stammt aus einer unabhängigen Dynastenfamilie, die Anfang des 12. Jahrhunderts erstmals in ostsächsischen Quellen erscheint. Durch Wichmanns Mutter, Gertrud von Ballenstedt, wurden die Arnsteiner mit den Großen des ostsächsischen Adels, mit Askaniern und Wettinern, verwandt. Wichmanns ältester Bruder, Walther IV. sollte die Besitzungen im

Sandsteinfigur Wichmanns aus dem 14. Jahrhundert in der Neuruppiner Klosterkirche
Sandsteinfigur Wichmanns
aus dem 14. Jahrhundert
in der Neuruppiner Klosterkirche

Harzvorland erben, der zweite Bruder, Gebhard, wurde zum Gründer der Linie Lindow-Ruppin, Wichmann selbst war für den geistlichen Stand bestimmt. 1194 erscheint Wichmann als Oblate und 1199 als Akoluth im Magdeburger Prämon-
stratenserstift Unser Lieben Frauen. Wichmanns Vater hegte die berechtigte Hoffnung, dass sich auch seinem Sohn eine bedeutende kirchliche Karriere eröffnen und seiner Familie damit größerer Einfluss erwachsen werde.

1207 ist Wichmann Kanonikus und 1210 bereits Probst des Liebfrauenstiftes, 18 Jahre sollte er das aristokratische Magdeburger Stift leiten. Wichmann bewährte sich hier nicht nur als Verwalter und Mehrer des stiftischen Besitzes, sondern auch als Schlichter in klösterlichen Streitigkeiten. Seine Verdienste wurden durch Papst Honorius III. gewürdigt, indem er 1225 die bischöflichen Insignien der Mitra und Dalmatik verliehen bekam.

Wichmann war auf dem Höhepunkt seiner kirchlichen Laufbahn, er besaß eine bischöfliche Stellung, wenn auch nicht den angestrebten brandenburgischen Bischofsstuhl. Kurz vor dieser Erhöhung sandte ihn sein Erzbischof - Albrecht I. - nach Paris, um die Dominikaner nach Magdeburg zu holen. Wichmann hat hier 1244 in Magdeburg das praktische Wirken dieser predigenden, wandernden, dabei gründlich geschulten, sehr bald die neuen Universitäten beherrschenden Mönche erlebt.

Die dem apostolischen Armutsideal verbundenen Bettelorden waren eine Antwort der organisierten Kirche auf die sozialen Veränderungen in den rasch wachsenden Städten. Tausende junge Menschen, darunter viele Frauen, strömten in die Konvente der Dominikaner. Die Verbindung des Armutsideals mit hohem intelektuellen Anspruch führte ihnen ebenso Angehörige der Aristokratie und des Klerus zu. Wichmann von Arnstein war einer von diesen. 1228 urkundet er letztmalig als Probst. 1233 tritt er in den Dominikanerorden ein.

Für den etwa Fünfzigjährigen war das ein Bruch mit seiner bisherigen Lebensführung. Wie und wo Wichmanns Leben in den folgenden Jahren verlief, weiß man nicht genau. Erst 1246 wird es mit der Gründung des Neuruppiner Konvents wieder faßbar. Die Klostergründung am Ruppiner See verband die Schaffung einer Familiengrablege für die Linie Lindow-Ruppin mit der Beförderung einer neuen Stadt, die sich zum wirtschaftlichen Mittelpunkt der Ruppiner Herrschaft entwickeln sollte. Der Bau der Klosterkirche dürfte vom Grafenhaus tatkräftig unterstüzt worden sein. Wichmann stand dem sich rasch entwickelnden Neuruppiner Konvent bis zu seinem Lebensende vor.

Er starb am Allerseelentag des Jahres 1270 und erreichte ein für seine Zeit seltenes hohes Alter. In Neuruppin waren ihm also noch mehr als zwei Jahrzehnte verblieben, in denen er predigend und seelsorgerisch tätig sein und den Ausbau von Stadt und Herrschaft unterstützen konnte.